Der Erfurter scheint mit seinem aktuellen Album “So Sehr Dabei” genau den Songwriternerv getroffen zu haben. Einige Konzerte, die er mit seiner Band im Herbst spielt, sind bereits seit Wochen ausverkauft. Deshalb wurden einige in größere Hallen verlegt und Zusatztermine bestätigt.
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Liebe nellomag-Leser, wir dürfen feierlich die Gewinnerin des Clueso-Fanpakets in unserem Blog bekannt geben! Liebe Linda R. aus München: Herzlichen Glückwunsch! Das Package geht noch heute an dich raus!
Wir treffen Clueso nach dem Soundcheck im Ampere in München. In einem kleinen Hinterzimmer trinken wir Café. Er rührt seinen mit einem Bleistift um, der auf dem niedrigen Tisch liegt und lacht verschmitzt. Praktisch muss man denken. Doch so unbekümmert, wie er in diesem Moment wirkt, ist er nicht. Der 28-Jährige sprach offen über sein neues Album „So sehr dabei“, wie er mit Kritik umgeht und sich selbst treu bleibt.
Clueso: Ich bin tierisch aufgeregt! Auf unseren Konzerten wollen wir natürlich so viele neue Sachen wie möglich spielen. Das ist krass, weil natürlich noch keine Sau darauf abgeht. Bis dato war „Gute Musik“ mein Lieblingsalbum und obwohl ich sehr kritisch bin ist es jetzt „So sehr dabei.“
Clueso: Ich wollte Musik, bei der man nicht vor der Box kleben muss, abschalten kann, aber wenn man genau hinhört was entdeckt.
Dabei wollte ich was Neues ausprobieren, denn ich finde es cool, wenn man sich nicht ganz sicher ist. Dadurch kommt man sich selbst näher.
Clueso: Die Lyrik. Bislang habe ich wie bei „Chicago“ Geschichten erzählt, mit Anfang und Ende. Jetzt habe ich mich mehr an Songwriter, wie Bob Dylan orientiert. Ich habe teilweise auf Sätze gewartet, die drei Tage später in einem neuen Bezug zu dem Song stehen. „So sehr dabei“ ist begehbare Lyrik. Weniger chronologisch.
Clueso: Ja, es ist eigentlich eine sehr ruhige, melancholische Platte. Die Interludes habe ich rausgelassen und es sind ein paar Visionen in Erfüllung gegangen. Wobei ich bei der Hälfte des Albums plötzlich extrem Zweifel hatte.
Clueso: Ich dachte, was ist das für eine Scheiße? Wenn ich wie die Beatsteaks einfach eine Rockband wäre, dann wüsste ich auch was zu tun ist.
Clueso: Es sollten sich alle Bandmitglieder wieder drin finden. Aber jeder war mit sich selbst beschäftigt. Wir waren völlig im Orbit. Aber dennoch dachte ich, das ist ein Zeitdokument, das raus muss. Wie bei „Gute Musik“, wollte ich etwas Befreites, Unbeschwertes. Ich wollte dieses freche Gefühl, etwas miteinander zu verbinden, das vorher nicht da war. Diese Vision hat funktioniert. Und, dass ich einfach die Texte aus mir habe heraus fließen lassen können.
Clueso: „Gewinner!“ Ich saß bei Baris (Videoregisseur der Out of Space-DVD), um ein Treatment zu schreiben. Aber ich habe mich von einer Gitarre, die herumstand ablenken lassen. Als ich anfing zu dichten, fing er einfach auch damit an. Zuerst dachte ich, was willst du denn jetzt? Aber es war extrem cool. Er konnte sofort sagen, in welchen nächsten Raum wir gehen, den ich dann wieder beschreiben konnte. Er kann Leute dazu bringen, sich fallen zu lassen, wie sonst bei Schauspielern.
Clueso:. Während ich aus dem Bauch geschrieben und dann erst geguckt habe, was ist das jetzt für ein Gefühl, das ich beschrieben habe, hat er das sofort erkannt und konnte dann die Richtung lenken, die wir auch wieder brechen konnten.
Clueso: Eine Art Floskeln aufzuschreiben, die im ersten Moment einfach klingen. Aber sie erst einen Sinn machen, wenn man sie mehrmals hört, dann gehen sie tiefer.
Clueso: Das ist genau das Ding, das ist aber cool.
Welche Gedanken hattest du, das würde mich echt interessieren!
Clueso: Genau so was spielt mit. Kommt ihr vorbei, sind wir nicht da. So diese Ignoranz, aber trotzdem geht man seinen Weg. Das ist genau das Ding. Das ist ja auch Quatsch, wenn Leute im Unterricht sitzen und versuchen Goethe auseinander zu nehmen. Dann ist er durch den Wald gelaufen und hat seine Schwester angerufen…(lacht)
Clueso: Genau, noch besser. Im Ernst, da kann jeder so viel Zeug interpretieren. Aber was er wirklich meinte…wer weiß das schon. Das war sein Ding.
Clueso: Das ist ein Song, in dem es um das Ende einer Beziehung geht. Aber im Prinzip erwächst aus dem Verlust, etwas Neues.
Clueso: Da geht es um eine Beziehung, die eingefahren ist. Man kann nur verlieren, wenn man nichts verändert. Deswegen Verlierer und Gewinner.
Clueso: Es gibt Orientierung suchende Phasen, in denen du dich verformst. Meist passiert das, wenn du einen Blues hast. Dann versuchst du dich besonders schick zu machen. Obwohl da weniger mehr ist.
So ist es auch in der Musik, ich schau in Phasen, in denen ich nicht mehr weiß, wo es hingeht, auf Leute. Kopier auch Sachen, probier das aus, um zu schauen, was es denn noch so gibt.
Clueso: Ja, vor der Grönemeyer-Tour hab ich viele Sachen geschrieben, die grönesk waren. Im Prinzip ist „Keinen Zentimenter“ auch eine Grönemeyer-Fasierung. „Mehr Tiefe, mehr Hintergrund“ (singt). Es fasziniert mich, wie er das macht. Hab dann wieder losgelassen und wieder vercluest mit „yeahha“ (singt).
Clueso: Erst danach kam die Anfrage von Grönemeyer. Das was man denkt, zieht man an. In dieser Richtung öffnen sich dann Türen – wenn man Glück hat. Wichtig sind da auch die Kumpels, die einen unterstützen. Deshalb gibt es Clueso auch immer mit Leuten im Sack. Deshalb heißt das Album auch „So sehr dabei“. Weil die Leute alle so sehr mit drin hängen.
Clueso: Ja, bei mir sind es immer Phasen. Im Moment habe ich den Kampf, Ruhe hineinzubringen, in das, was ich tue. Ein bisschen gesetzter ranzugehen. Geh Partys aus dem Weg, weil ich zu sehr an dem Album drinhänge. Komm gut zu Recht, obwohl ich weiß, dass ich Sachen provoziere, um Texte zu schreiben.
Clueso: Künstler ziehen das Chaos an. Dieser schöne Satz gilt auch für mich. Wir haben eine Zeit lang so eine ’nen Style gehabt. Wir haben beim ausgehen einen über den Durst getrunken, bis ich unterm Tresen lag. Dann kamen Kumpels, die gesagt haben, komm lass uns mal auf eine Technoparty gehen, da kennt dich keiner.
Hier quatscht der ganze Club: Cluesn is im Arsch. Das sind halt Phasen, in denen ich ausbreche vom Image des smarten Sängers. Genau dann schreibe ich auch gute Texte.
Clueso: Genau so Ausbrüche müssen auch mal in der Öffentlichkeit passieren, um einfach mal die Festplatte zu formatieren.
Clueso: Ich will es ja schon, sonst würde ich es ja nicht machen. Im Prinzip bin ich ja schon mittelpunktssüchtig, nur eben mit Verzögerung. Ich bin nicht der Typ, der reinkommt und den Raum für sich beansprucht. Sondern ich will erst mal kurz abchecken und dann langsam die Aufmerksamkeit auf mich ziehen.
Clueso: Wenn ich nicht mehr weiß, wo es langgeht und Leute auf mich zukommen muss ich mir Gesten antrainieren. Fast wie ein Astronaut, der lange Zeit weg war, um zu kommunizieren. Das ist schon komisch. Und ich darf nicht alles zu persönlich nehmen.
Clueso: Es gibt Tage, an denen ich mich frage, was wollen die denn überhaupt? Wenn ich mich in Erfurt bewege, ist alles völlig normal. Und dann stehst ich plötzlich auf der Bühne. Ich muss durch den Hintereingang in einen Raum gehen, in dem alle schreien. Das ist einfach faszinierend ich beobachte das viel mehr.
Clueso: Ja, ich mag es einfach mit meiner Band und den Leuten zusammen zu feiern. Alter, das ist dann der Moment, wo ich inne halte. Das ist genau das, was ich so geil finde. Eine feiernde Menge, die völlig weg ist und wir, die völlig weg sind. Danach gehe ich vielleicht in die Menge, gebe Autogramme, manchmal was trinken. Danach ist so ein Bad in der Menge echt cool, die aufgeilen und dann heimgehen.
Clueso: Ich habe ein wahnsinnig angenehmes Publikum. Es gab noch nie Beschwerden von Veranstaltern. Nur manchmal gibt es abends ein bisschen Alarm. Erst gestern zum Beispiel. In der ersten Reihe waren Leute, die die ganze Zeit „Kein Bock zu gehen“ gebrüllt haben und das einen ganzen Song lang. Das war schon krass.
Clueso: Überhaupt nicht. Viele denken, dass meine Fans nur Teenis sind. Aber das ist absolut nicht so. Ich treffe dort immer viele coole Leute.
Clueso: Ich bin von Leuten wie Sting fasziniert, die ihren Weg im Einklang gehen aber auch von Jim Morrison, der vor die Hunde ging. Ist auch interessant, irgendwie cool.
Clueso: Sagen wir so, ich versteh es. Diese Sucht des Exzessiven und dass einem der Teufel die Texte gibt.
Clueso: Ich lebe in der Kleinstadt und hab mein Umfeld, um mich nicht zu verbrennen. Ich habe mich für die Musik entschieden!
Clueso: Diese ganzen Battles. Man braucht keinen dissen, wenn man ihn nicht leiden kann. Darüber Texte zu schreiben, ist sinnlos. Die Energie kann man sich sparen. Trotzdem find ich es cool zu sagen, ich bin geil, nein im Ernst, zu sagen, dass ich mir Mühe gebe. Sein Ding zu platzieren ist manchmal einfach wichtig.
Clueso: Das ist schon so ein Schuss in die Szene. Aber auch für die Fans, die meiner Meinung sind. Die Leute sollten sich nicht damit hauptsächlich befassen, über andere Leute anzugehen. Du ist doch froh, wenn du eine Platte machst, die auch Sinn hat.
Clueso: Bei „Weit weg“ war ich nicht ganz zufrieden. Wenn du also einen Gedanken in dieser Ecke schon hattest und dann kommt einer und haut genau da rein, dann denkst du: Du Arschloch, verpiss dich!
Wenn du aber niemals dahin gedacht hast, dann ist das auch egal.
Clueso: Mit Sicherheit! (Muss kurz überlegen)
Ich weiß nicht. Will ich das erzählen? (lacht)
Okay. Das ist dann eher auf die Musik bezogen, wenn Leute sagen, dass sie nicht echt klingt. Wenn sie sagen, es klingt ihnen zu sehr nach Wollen. Das sitzt dann auf jeden Fall. Das kam auch schon ein paar Mal.
Clueso: Naja, es gab auch Zeiten, wie zu „Text und Ton“, in denen ich den harten MC markieren wollte. Damals kamen auch Leute aus der Szene an, die gesagt haben, Clueso, du singst immer gerne, mach dir das zu Nutzen. Das ist was, was wir nicht haben. Du bist schön doof.
Interview: Sina Franco